Sollte man mit Filter rauchen?
Die kurze Antwort
Ja.
Die lange Antwort
Es ist durchaus verständlich, wenn ein Pfeifenraucher sagt dass er zwischen dem Tabak und seiner Zunge möglichst nichts haben will, das den Geschmack bremst. Und ein Filter mit Füllung macht auch den Zug schwerer. Aber.
Zurückblickend auf die Eröffnungsworte dieses Machwerks ist Rauchen immer noch schädlich aufgrund des Kondensats, daran haben die seither gelesenen Kapitel nichts geändert. Daher sollte alles recht sein, das Kondensat und Feinstaubpartikel vom Raucher fern hält. Der Geschmack wird dadurch nicht gemindert. Wohl aber die Schärfe vieler Tabake: Die kommt nämlich vom Kondensataerosol, das ohne Filter eingesogen wird. Selbst ein einfacher Papierfilter hilft dagegen schon etwas. Ein Aktivkohle- oder Meerschaumgranulatfilter, oder auch einer mit Silica-Gel-Füllung nimmt aber deutlich mehr Kondensat auf, nimmt auch einige gasförmige, schädliche Stoffe auf, und lässt das meiste Nikotin und den gesamten Geschmack durch.
Das gelegentlich in Online-Videos aufgetauchte Horrorszenario der schmelzenden Kunststoffkappe eines Filters, das von einigen Filtergegnern verbreitet wird, ist ein hanebüchener Unsinn. Zunächst gibt es kaum noch Filter mit Kunststoffdeckel. Zum anderen, wenn man betrachtet wo genau in der Pfeife der Filter sitzt: Wenn die Kappe schmilzt, wird das Problem wohl eher am anderen Ende des Mundstücks zu finden sein. Und auch von den Heißrauchern ist keiner verpflichtet, einen Filter mit Kunststoffkappe zu kaufen. Es gibt mehr als genug Auswahl an umweltfreundlichen, nur aus Papier, Keramik und Aktivkohle bestehenden Filtern.
Was das Zugverhalten angeht, ist der Filter natürlich eine Bremse. Das kann aber auch positiv gesehen werden. Viele Pfeifen-Neueinsteiger kommen nämlich von der Zigarette, und sind daher einen hohen Zugwiderstand gewohnt. Da hilft ein Filter beim Einstieg ganz gewaltig. Und auch mir gestandenem Altraucher hilft der Filter, den Zug im Griff zu halten. Ich muss nicht ganz so häufig nachstopfen. Gut, mir geht manchmal die Pfeife aus, weil ich zu lange warte. Ich habe für solche Fälle ein Feuerzeug.
Geschichtliches
Seit Europäer Pfeife rauchen, streben sie nach einem milden Erlebnis. Das versucht man zu erreichen, indem man auf die eine oder andere Art den Rauch filtert. Bei einer Tonpfeife dient der Holm bereits als Filter, weil der poröse Ton praktisch alles Kondensat aufnimmt. Daher waren auch die längeren Tonpfeifen sehr beliebt. Bei einer Gesteckpfeife dient der Abguß zum Herabkühlen des Rauchs und zum Auffangen des Kondensats. Die Kürbishülle einer Calabash-Pfeife hat dieselbe Funktion.
Der erste effektive Pfeifenfilter wurde im 18. Jahrhundert von einem österreichischen Pfeifenhersteller angeboten. Er bestand aus einem Stück Naturschwamm, der in das gläserne Mundstück der Pfeifen eingesetzt wurde. Das war eine sehr umweltfreundliche Lösung, da der Filter nach Gebrauch ausgewaschen und wiederverwendet werden konnte.
Die Holzpfeife moderner Form hatte am Anfang oft ein Mundstück aus Horn oder Holz. Hier nimmt bereits das Material eine Menge Kondensat auf, man raucht also trocken. Seit der Einführung von Kunststoffmundstücken im späten 19. Jahrhundert entfällt diese physikalische Filterung aber, weswegen sehr leicht Kondensat in den Mund eingesogen werden kann, was zum berüchtigten Zungenbrand führt. Die Meerschaum- und Maiskolbenpfeifen sind davon weniger betroffen, weil ihr Grundmaterial recht porös ist und daher auch viel Kondensat aufnehmen kann.
Man hat ab dem frühen 20. Jahrhundert mit verschiedenen Methoden experimentiert, die Filterwirkung der Pfeife an sich wieder herzustellen. Einige Hersteller haben verschiedene Konstruktionsmerkmale eingeführt, Peterson z. B. baute in den Holm eine Metallschnecke ein, die den Rauch herunter kühlen sollte, was aber erfahrungsgemäß hauptsächlich zum „Absaufen“ der Pfeife durch das entstehende Kondensat führt, das der Schwerkraft folgend seinen Weg zurück in die Brennkammer findet. Andere Hersteller hatten vergleichbare gut gemeinte Methoden im Angebot. Daneben kam man auf die Idee, ein Röllchen aus Filterpapier in den Rauchkanal zu schieben, um das Kondensat aufzusaugen.
Ein namhafter deutscher Hersteller bediente sich im Arsenal der chemischen Industrie und entwickelte eine auf 9 mm kalibrierte Filterkartusche, die in eine entsprechende Bohrung im Mundstückszapfen eingesetzt werden sollte. Die Füllung sind Aktivkohlekrümel, die Kondensat und andere Schadstoffe adsorbieren sollen. Dabei wird aufgrund des recht großen Durchmessers des Filters der Zug nicht übermäßig gebremst. Das ist bis heute der verbreitetste Standard, mit verschiedenen Variationen.
Die Füllung der Filterkartusche kann aus Aktivkohle, Meeschaumkrümeln oder Silica-Gel bestehen, das Funktionsprinzip ist in allen Fällen das der Adsorption. Das heißt dass die große, feinstrukturierte Oberfläche des Filtermaterials Feststoffe und zum Teil auch gasförmige Bestandteile anlagert und sie damit praktisch aus dem Rauch entfernt. Dabei wird bei den Papierkartuschen das Filtermaterial nicht mit Kondenswasser gesättigt, weil dieses bereits vom Papier der Kartusche aufgesogen wird, was die Wirkung des Filters verbessert.
Der 9mm-Aktivkohle-Filter ist eine deutsche Eigenheit, die sich international nicht wirklich durchgesetzt hat. In Nordamerika sind 6mm-Papierfilter gängig und in Kanada ein auswaschbarer Filter aus Ahornholz. Italien steuert Filter aus Balsaholz bei, die auch mehrfach verwendet werden können. Zellstoff-Filter werden auch angeboten.
Aufbau
Papierfilter


Der Filter besteht im einfachsten Fall aus einem einfachen Röhrchen aus Filterpapier. Im Fall der 3- und 4-mm- Filter sind diese nicht weiter artikuliert. Diese Papierröhrchen sind für Pfeifen ohne Filterbohrung gedacht und nehmen eine gute Menge an Feuchte auf, verringern aber nicht den Schadstoffgehalt des Rauchs.
Die 6 mm-Papierfilter sind heute üblicherweise in Maiskolbenpfeifen als Werksbestückung zu finden. In Nordamerika sind sie das häufigste Format für Pfeifenfilter. Entsprechend der großen Zugbohrung von Maiskolbenpfeifen haben diese Filter an der Innenseite kleine Laschen eingestanzt, die Tabakkrümel zurückhalten können.
Für die Filterlos-Raucher mit Filterpfeifen gibt es auch 6 mm- und 9 mm-Papierröhrchen, damit das Kondensat nicht zurück in den Tabak läuft.
Feststoff-Filter

Feststoff-Filter bestehen aus einem soliden Stück Filtermaterial, meistens Zellstoff oder Holz. Sie werden in 6 mm und 9 mm-Formaten angeboten, mit der Ausnahme eines proprietären Ahornholzfilters eines kanadischen Herstellers, der nur in dessen eigene Pfeifen passt. Das übliche Holz ist Balsa, das sehr porös ist und daher viel Feuchte aufnehmen kann. Zellstoff-Filter sind anders aufgebaut als die üblichen Zigaretten- und Eindrehfilter aus Zellstoff, in denen die Fasern längs ausgerichtet sind um einen leichten Zug zu ermöglichen. Beim Pfeifenfilter sind die Zellstoff-Fasern verfilzt, um eine möglichst große Oberfläche zu bilden und damit die Aufnahme von Kondensat zu verbessern.
Im vergleich zu Kartuschen-Filtern sind Feststoff-Filter weniger effizient, können aber ein besseres Zugverhalten haben.
Filterkartuschen
Die in Deutschland verbreitetsten Filter sind befüllte Kartuschen mit einer Füllung von Aktivkohle, Silica-Gel oder Meerschaumgranulat bzw. einer Mischung von Meerschaum und Aktivkohle. Die meisten Kartuschen bestehen aus einer steifen Röhre aus Filterpapier und Keramikkappen an den Enden. Früher waren auch Kunststoffkappen verbreitet, meistens an nur einem Ende des Filters, bei einigen Marken aber auch an beiden Enden. Die gängigen Formate sind 6 und 9 mm.
Allen Kartuschen gemeinsam ist, dass sie gerne als „Zugbremse“ beschimpft werden, weil sie den Zugwiderstand zum Teil erheblich verstärken. Das kann für den von der Zigarette kommenden Umsteiger von Vorteil sein, wird aber von vielen eingefleischten Pfeifenrauchern als Totschlag-Argument gegen Filter aller Art benutzt. Einige Hersteller haben daher vor einiger Zeit mit neu bzw. weiterentwickelten Filtern geworben, die einen geringeren Zugwiderstand haben. Das ist allerdings eine Mogelpackung, da der geringere Zugwiderstand daher kommt, dass weniger Füllmaterial im Filter ist. Der Hersteller spart also am Material und argumentiert, dass er dafür mehr Geld nehmen könne, weil ja der Zug besser sei. Stattdessen ist nur die Filterwirkung geringer.
Aktivkohle- und Meerschaumfilter


Aktivkohlefilter sind mit Aktivkohlepartikeln befüllt, die derzeit in zwei unterschiedlichen Formaten kommen. Das „klassische“ Füllmaterial sind extrudierte Stückchen, die in verschiedenen Durchmessern passend für den Durchmesser der Kartusche verwendet werden. In neuerer Zeit werden auch Bruchpartikel von Kokos-Aktivkohle verarbeitet. Diese Filter wurden ursprünglich als Eindrehfilter für Zigaretten entwickelt und werden von den entsprechenden Marken angeboten, passen aber auch in Filterpfeifen.
Aktivkohle hat eine extrem große Oberfläche und adsorbiert daher große Mengen and gasförmigen Stoffen. Auf diese Art reduziert sie den Schadstoffgehalt des Rauchs. Durch die Verwirbelung des Rauchs im Filter werden auf viele Rauchpartikel aufgefangen. Die Papierhülle nimmt Feuchte aus dem Kondensat auf und hält so die Aktivkohle trocken, was die Effizienz des Filters insgesamt verbessert. Die Keramikkappen nehmen ebenfalls Feuchte auf.
Meerschaumpartikel haben keine so große Oberfläche wie Aktivkohle, nehmen aber aufgrund ihrer schwammartigen Struktur größere Mengen an Flüssigkeiten auf. Damit können sie auch auskondensierte organische Stoffe aufnehmen, was die Filterwirkung verbessert.
Silicagel-Filter


Auch wenn die derzeit angebotenen 10mm-Silicagel-Filter für Zigarren- und Zigarettenspitzen angeboten werden, hat der Hersteller in der Vergangenheit auch Pfeifen mit passender Filterbohrung vertrieben. Im osteuropäischen Markt sind ebenfalls Pfeifen mit 10-mm-Bohrung zu finden, weshalb diese Filter nach wie vor für Pfeifen relevant sind.
Silicagel ist ähnlich effektiv wie Aktivkohle in der Aufnahme von Schadstoffen. Die z. Z. angebotenen Filter haben allerdings eine Kunststoffkartusche, was die Aufnahme von Kondenswasser verschlechtert. Das Füllmaterial hat also etwas mehr Arbeit zu erledigen. Das große Kaliber dieser Filter gleicht diesen kleinen Nachteil allerdings aus.
Es werden auch 6 mm-Silicagelfilter angeboten. In diesem kleinen Format ist die Filterwirkung im Vergleich mit Aktivkohlefiltern aber recht stark reduziert.

